Der grundsätzliche Ablauf bei einem Poetry Slam ist relativ einfach strukturiert:
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1) einleitende Worte durch die Moderation – inkl. Erklärung von Ablauf & System
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2) ein kurzer Auftritt außerhalb der Wertung als Einstimmung auf den Abend (optional)
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3) Start des Wettbewerbs mit der ersten Vorrunde – meist mit vier bis acht Slammer:innen
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4) eventuelle zweite Vorrunde oder Halbfinale
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5) Finale mit zwei oder drei Poet:innen (je nach System)
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6) Sieger:innen-Ehrung, anschließende Dankesworte & Verabschiedung
Da die meisten Slam-Veranstaltungen mit diesem Ablauf mindestens anderthalb bis zwei Stunden gehen, ist außerdem eine Pause von ca. 15 bis 20 Minuten nach etwa der Hälfte der Zeit üblich. Hier achten wir darauf, sie möglichst stimmig in die Show zu integrieren – beispielsweise nach Ende der (ersten) Vorrunde. Bei einer einzigen längeren Vorrunde (z. B. bei acht Antretenden mit Dreierfinale) kann es mitunter sinnvoll sein, die Pause schon nach den ersten vier oder fünf Wettbewerbsbeiträgen zu setzen.
Wettbewerbs-Ablauf im Poetry Slam – Variationsmöglichkeiten #
Wie der eigentliche Wettbewerb abläuft, hängt vom gewählten System ab. Dafür gibt es unter anderem folgende Variationsmöglichkeiten:
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Vorrunde + Finale
z. B. acht Personen in der Vorrunde und Finale mit den drei Besten (8 – 3)
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Doppelte Vorrunde + Finale
z. B. vier Personen im Wettbewerb – mit erster Vorrunde, zweiter Vorrunde in umgekehrter Auftrittsreihenfolge und abschließendem Finale mit den zwei Besten (4 – 4 – 2)
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Vorrunde + Halbfinale + Finale
z. B. acht Personen im Wettbewerb, vier davon kommen vier ins Halbfinale und zwei schließlich ins Finale (8 – 4 – 2)
Wenn du selbst zum ersten Mal einen Poetry Slam veranstalten möchtest, kannst du dich gut an diesen Beispielen orientieren. Aber natürlich ist es dir ebenso überlassen, einen anderen, vielleicht gar komplett neuartigen Wettbewerbsablauf auszuprobieren. Dabei solltest du nur immer zwei Dinge im Blick behalten: dass der Ablauf stimmig fürs Publikum bleibt und eine schöne Show ermöglicht – und dass sich die auftretenden Poet:innen damit wohlfühlen. (Zwei Faktoren, die generell essenziell sind für erfolgreiche Slam-Veranstaltungen.)
Und wann kommt die Abstimmung? #
Natürlich muss im Rahmen des Wettbewerb-Ablaufs noch irgendwo die Abstimmung ihren Platz finden. Wo genau, hängt davon ab, mit welchem Bewertungs-System der Poetry Slam arbeitet: Die einfache Abstimmung per Handzeichen folgt üblicherweise direkt nach jedem Auftritt. Dabei ruft die Moderation das Publikum zur Bewertung auf und zählt die Stimmen zusammen, bevor sie die nächste Slammer:in ansagt. Die Abstimmung mit Wertungstafeln läuft ähnlich, nur dass hier eben nach jedem Auftritt die Punkte der Jury zusammengerechnet werden (meist mit „Streichwertung“, also die jeweils höchste und niedrigste Wertung wird nicht mitgezählt). Als kleine Abwandlung ist es außerdem bei vielen Slams üblich geworden, mit der ersten Abstimmung bis zum Ende des zweiten Auftritts zu warten – und dann nacheinander die Wertungen für die ersten beiden Texte einzuholen. So haben die Zuschauer:innen schon mal einen ersten Vergleich, wodurch das häufig auftretende Phänomen der über den Abend hinweg steigenden Wertungen (auch unabhängig von den jeweiligen Texten) zumindest etwas abgemildert wird.
Die Applausabstimmung erfolgt immer am Ende einer Runde bzw. des Finales. Hier ist es den Veranstaltenden überlassen, ob sie dafür die entsprechenden Poetry Slammer:innen noch einmal gemeinsam auf die Bühne holen möchten und für ihren jeweiligen Applaus einen Schritt vortreten lassen. Oder ob sie einfach die Namen nennen – dazu ein, zwei Sätze zum Text oder ein Stichwort als Erinnerungshilfe. Oder beides.
Weitere Abwandlungen vom „Standard-Ablauf“ eines Poetry Slams #
Auch fernab des Wettbewerbs-Systems gibt es einiges, was sich je nach Veranstalter:in unterscheiden kann:
Moderationsgestaltung #
Das beginnt mit der Einführung sowie der grundsätzlichen Ausgestaltung der Moderation: Mal ist sie eher knapp gehalten und dient vor allem dazu, einen harmonischen Rahmen für die Auftretenden zu schaffen. Mal ist sie etwas ausschweifender und hat selbst schon großen Unterhaltungswert mit eingestreuten Erzählungen, Jokes und weiteren Spannungselementen – in Ausnahmefällen gar mit so viel Gewicht, dass sich der Abend anfühlt wie eine Solo-Show mit Gastauftritten. Hier muss einfach jede:r für sich die richtige Balance finden, die zum eigenen Rollenverständnis als Moderator:in passt und natürlich auch zum Zielpublikum.
Einbindung von Feature-Künstler:innen #
Der Auftritt außerhalb der Wertung – in der Szene auch Feature genannt – kann ein Slam-Text sein, entweder durch einen extra dafür eingeladenen Gast oder der Einfachheit halber durch die moderierende Person. Oder es gibt stattdessen ein sogenanntes musikalisches Features, meist durch eine Solo-Künstler:in im Bereich Singer/Songwriting. Je mehr Aufwand bzw. Kosten für das Feature investiert werden, desto sinnvoller ist es, diesem Teil etwas mehr Raum zu geben: beispielsweise indem dieser Bühnenslot auf 15 bis 20 Minuten ausweitet wird oder es im Verlauf des Abends noch einen weiteren Auftritt gibt; möglicherweise als Warm-up nach der Pause oder als Übergang von der Vorrunde zum Finale.
Auslosung der Startreihenfolge #
In welcher Reihenfolge die Poet:innen in den Wettbewerb starten, wird normalerweise dem Zufall überlassen. Die Auslosung dafür findest meist vor Veranstaltungsbeginn statt, sodass alle vorab wissen, wann sie in etwa dran sind. Es ist aber auch möglich, die Auslosung zum Teil der Show zu machen. Entweder für alle gemeinsam im Rahmen der Einführung in den Abend: Beispielsweise indem eine sogenannte „Losfee“ aus dem Publikum nach vorne geholt wird, um nacheinander die Namen der Auftretenden aus einer Losbox zu ziehen.
Oder tatsächlich einzeln unmittelbar vor jedem Auftritt – was unter Slammer:innen eher unbeliebt ist, weil es die innere Anspannung vor dem eigenen Auftritt erhöht und du jedes Mal mitfieberst, ob du nun dran bist. Dafür hat dieses Verfahren einen gewissen Show-Effekt: Die Poesieschlacht in Düsseldorf zum Beispiel zelebriert dieses Ritual regelrecht, indem vor jedem Auftritt eine große Lostrommel wie bei einer Lottoziehung gedreht wird, um die nächste Person für die Bühne auszuwählen
Applauseinstimmung #
Ein sehr schönes Ritual zum Einstieg in den Wettbewerb ist die Applauseinstimmung: Hier geht die Moderation mit dem Publikum einmal aufsteigend die verschiedenen Applausstärken durch – parallel zu den denkbaren Punktewertungen von 1 bis 10. Also zum Beispiel: „Wie würde heute Abend ein 1-Punkte-Applaus klingen? … Und ein 5-Punkte-Applaus? … 6 Punkte? … 7 Punkte? …“
Ein 1-Punkte-Applaus kann dabei durchaus bloß ein einzelnes Klatschen sein, während es ab ca. 5 Punkte allmählich lauter wird, bis bei der 10 schließlich tosender Applaus zu hören ist. Wie intensiv das ausfällt, hängt natürlich immer ein bisschen vom Publikum ab, auch regional bedingt. Kölner:innen beispielsweise sind im Schnitt deutlich lauter als Menschen in Ostwestfalen. Aber das ist auch gar nicht so wichtig. Vor allem kommt es darauf an, dass dieses Ritual eine schöne, wertschätzende Atmosphäre stärkt und so einen guten Startpunkt für den eigentlichen Poetry-Slam-Wettbewerb setzt.
Pausensetzung #
Je nach Veranstaltungskontext kann es sinnvoll sein, die Pause anders als etwa mittig zu setzen bzw. eventuell auch mehrere kürzere Pausen zu machen. Wenn du überlegst, wie du es für eine eigene Veranstaltung machen möchtest, sprich dich am besten mit der Location ab. Denn so kannst gleich die Bewirtung der Gäste und weitere Aspekte in deine Überlegung miteinbeziehen, um zu schauen, was für alle Beteiligten am besten funktioniert.
Bonus-Text zum Abschluss #
Bei einigen Slams ist es Usus, dass die Sieger:in am Ende noch einen weiteren Text liest – quasi als Bonus für einen runden Abschluss der Veranstaltung. Das kann eine schöne Sache sein, solange die Gesamtdauer der Show damit im guten Rahmen bleibt und das Publikum noch entsprechend aufnahmefähig ist. Bei einem Poetry Slam mit doppelter Vorrunde ist es oft besser, darauf zu verzichten. Denn vier Texte von einer Person sind schon etwas viel; gerade wenn sie von Künstler:innen kommen, die häufiger bei diesem Slam antreten und damit einen weiteren Text „verbrannt“ haben, wenn sie ihn nicht beim nächsten Mal wiederholen wollen (was innerhalb der Szene eher verpönt ist).
Noch Fragen zum Poetry-Slam-Ablauf? #
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